Die Stellung des Nationalsozialismus zur Rassenhygiene.

Von Prof. F. Lenz, München.

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (N.S.D.A.P.) ist die erste politische Partei, nicht nur in Deutschland, sondern überhaupt, welche die Rassenhygiene als eine zentrale Forderung ihres Programms vertritt. Das ist um so bemerkenswerter, als sie aus den Wahlen vom September 1930 mit 107 Mandaten als zweistärkste Partei des Deutschen Reichstags hervorgegangen ist. Sie ist dabei grundsätzlich antiparlamentarisch eingestellt; und ihre eigentliche Bedeutung liegt demgemäß nicht in der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion, sondern in der von ihr getragenen politischen Bewegung, die in den nächsten Jahren voraussichtlich von großem Einfluss auf die innere und äußere Politik des Deutschen Reiches sein wird. Das ist für mich der Grund, weshalb ich mich hier mit der Stellung der nationalsozialistischen Bewegung zur Rassenhygiene befasse. Ich stütze mich in meinem Bericht hauptsächlich auf das Buch Adolf Hitlers (*), der als Begründer der nationalsozialistischen Bewegung anzusehen ist und der auch gegenwärtig ihr maßgebender Führer ist. Hitler ist als Sohn eines Zollbeamten bayerischen Stammes, aber österreichischer Staatsangehörigkeit, in Braunau am Inn geboren und gegenwärtig einige vierzig Jahre alt. Nach dem Tode seines Vaters mußte er sich in jungen Jahren als Hilfsarbeiter durchschlagen. Sein Ziel war, Baumeister zu werden. Nachdem er in der Jugend mehrere Jahre in Wien gearbeitet hatte, siedelte er 1912 nach München über.

(*) Hitler, A., Mein Kampf. 782 S. 5. Aufl. München 1930. Verlag Franz Eher. Den Weltkrieg hat er als Frontkämpfer in einem bayerischen Regiment mitgemacht. Seit der deutschen Revolution hat er sich dann ganz der Politik gewidmet. Dank einer ganz außergewöhnlichen Fähigkeit der Massenbeeinflussung gelang es ihm, in den Jahren 1920 bis 1923 Hunderttausene von nation begeisterten Anhängern, meist jungen Leuten, zu gewinnen. Im November 1923 glaubte er die Stunde für eine nationale Gegenrevolution und Erhebung gekommen. Die Bewegung wurde aber durch Machtmittel des Staates unterdrückt und Hitler zu einer mehrjährigen Festungshaft verurteilt. In dieser Zeit hat er sein Buch geschrieben.

In dem Kapital "Der Staat" bemerkt Hitler im Hinblick auf die Rassenhygiene: "Was auf diesem Gebiete heute von allen Seiten versäumt wird, hat der völkische Staat nachzuholen. Er hat die Rasse in den Mittelpunkt des allgemeinen Lebens zu setzen" (S. 446). Ja, das soll sogar der eigentliche Zweck des Staates sein: "Sein Zweck liegt in der Erhaltung und Förderung einer Gemeinschaft physisch und seelisch gleichartiger Lebewesen. Diese Erhaltung selber umfaßt erstlich den rassenmäßigen Bestand und gestattet dadurch die freie Entwicklung aller in dieser Rasse schlummernden Kräfte" (S. 433). Ein Staat, der die rassische Grundlage der Kultur dem Untergange weiht, muß als schlecht bezeichnet werden (S. 435).

Der Staat muß nach Hitler dafür sorgen, daß nur gesunde Menschen Kinder zeugen. "Wer körperlich und geistig nicht gesund und würdig ist, darf sein Leid nicht im Körper seines Kindes verewigen." "Umgekehrt aber muß es als verwerflich gelten: gesunde Kinder der Nation vorzuenthalten. Der Staat muß dabei als Wahrer einer tausendjährigen Zukunft auftreten, der gegenüber der Wunsch und die Eigensucht des einzelnen als nichts erscheinen und sich zu beugen haben. Er hat die modernsten ärztlichen Hilfsmittel in den Dienst dieser Erkenntnis zu stellen. Er hat, was irgendwie ersichtlich krank und erblich belastet und damit weiter belastend ist, zeugungsunfähig zu erklären und dies praktisch auch durchzusetzen. Er hat umgekehrt dafür zu sorgen, daß die Fruchtbarkeit des gesunden Weibes nicht beschränkt wird durch die finanzielle Luderwirtschaft eines Staatsregiments, das den Kindersegen zu einem Fluch für die Eltern gestaltet" (S. 447). Hitler fordert also einen Ausgleich der Familienlasten, wenn er auch diesen Ausdruck nicht gebraucht. "Der völkische Staat hat hier die ungeheuerste Erziehungsarbeit zu leisten. Sie wird aber dereinst auch als eine größere Tat erscheinen, als es die siegreichsten Kriege unseres heutigen bürgerlichen Zeitalters sind" (S. 447). Der Staat müsse "ohne Rücksicht auf Verständnis oder Unverständnis, Billigung oder Mißbilligung in diesem Sinne handeln".

Natürlich sind es nicht neue Ideen, die Hitler hier vertritt. Aus welchen Quellen er geschöpft hat, hat er nicht angegeben, vermutlich mit bewußter Absicht; denn ein wissenschaftliches Werk mit Quellenbelegen hat nun einmal nicht eine politische Massenwirkung, wie sie ein Schriftsteller erreichen kann, der im Stile des Propheten schreibt. "Einige Wendungen erinnern an Äußerungen Nietzsches, der im "Willen zur Macht" Absatz 734 u. a. sagt: "Es gibt Fälle, wo ein Kind ein Verbrechen sein würde." "Zuletzt hat hier die Gesellschaft eine Pflicht zu erfüllen: es gibt wenige dergestalt dringliche und grundsätzliche Forderungen an sie. Die Gesellschaft als Großmandatar des Lebens hat jedes verfehlte Leben vor dem Leben selber zu verantworten, - sie hat es auch zu büßen: folglich soll sie es verhindern. Die Gesellschaft soll in zahlreichen Fällen der Zeugung vorbeugen: sie darf hierzu, ohne Rücksicht auf Herkunft, Rang und Geist, die härtesten Zwangsmaßregeln, Freiheitsentziehungen, unter Umständen Kastrationen in Bereitschaft halten." Von eigentlich rassenhygienischen Büchern hat Hitler, wie ich höre, die zweite Auflage des Baur-Fischer-Lenz gelesen, und zwar während seiner Festungshaft in Landsberg. Manche Stellen daraus spiegeln sich in Wendungen Hitlers wieder. Jedenfalls hat er die wesentlichen Gedanke der Rassenhygiene und ihre Bedeutung mit großer geistiger Empfänglichkeit und Energie sich zu eigen gemacht, während die meisten akademischen Autoritäten diesen Fragen noch ziemlich verständnislos gegenüberstehen. Es ist überhaupt erstaunlich, wie Hitler, der nur eine Realschule besucht hat, sich unter schwierigen Verhältnissen durch privates Bücherstudium jene Bildung hat aneignen können, die aus seinem Buche spricht. Über die Möglichkeiten der Rassenhygiene urteilt er zusammenfassend folgendermaßen: "Eine nur sechshundertjährige Verhinderung der Zeugungsfähigkeit und Zeugungsmöglichkeit seitens körperlich Degenerierter und geistig Erkrankter würde die Menschheit nicht nur von einem unermeßlichen Unglück befreien, sondern zu einer Gesundung beitragen, die heute kaum faßbar erscheint. Wenn so die bewußte planmäßige Förderung der Fruchtbarkeit der gesündesten Träger des Volkstums verwicklicht wird, so wird das Ergebnis eine Rasse sein, die, zunächst wenigstens, die Keime unseres heutigen körperlichen und damit auch geistigen Verfalls wieder ausgeschieden haben wird" (S. 448). Die einschränkenden Worte "zunächst wenigstens" sollen offenbar besagen, daß die Gesundung der Erbmasse des Volkes die nächste und dringendste Aufgabe ist. Darüber hinaus aber hält Hitler auch die Förderung besonders hochwertiger rassischer Elemente für angezeigt. Er meint: "Denn hat erst ein Volk und ein Staat diesen Weg einmal beschritten, dann wird sich auch von selbst das Augenmerk darauf richten, gerade den rassisch wertvollsten Kern des Volkes und gerade seine Fruchtbarkeit zu steigern, um endlich das gesamte Volkstum des Segens eines hochgezüchteten Rassengutes teilhaftig werden zu lassen" (S. 448, ähnlich auch S. 493). "Ein Staat, der im Zeitalter der Rassenvergiftung sich der Pflege seiner besten rassischen Elemente widmet, muß eines Tages zum Herrn der Erde werden" (S. 782).

Hitler hat anscheinend auch eine besondere Förderung nordischer Rassenelemente im Auge. Der Begriff "Nordische Rasse" kommt zwar, soviel ich sehe, in dem Buche nicht vor; an zahlreichen Stellen preist er aber die "Arier", denen er als Gegenpol die Juden gegenüberstellt. Die Juden werden - zweifellos zu einseitig und in übertriebener Weise - für fast alle Zersetzungserscheinungen der Gegenwart verantwortlich gemacht. Dem Juden fehlen nach Hitler "jene Eigenschaften, die schöpferisch und damit kulturell begnadete Rassen auszeichnen"; sie besitzen "keine irgendwie kulturbildende Kraft" (S. 332). Die Vortrefflichkeit des "Ariers" erstrahlt im Vergleich zu diesem dunklen Hintergrunde in um so hellerem Licht. "Alles, was wir heute auf dieser Erde bewundern - Wissenschaft und Kunst, Technik und Erfindungen -, ist nur das schöpferische Produkt weniger Völker und vielleicht ursprünglich einer Rasse. Von ihnen hängt auch der Bestand dieser ganzen Kultur ab. Gehen sie zugrunde, so sinkt mit ihnen die Schönheit dieser Erde ins Grab." "Alle großen Kulturen der Vergangenheit gingen nur zugrunde, weil die ursprünglich schöpferische Rasse an Blutsvergiftung abstarb" (S. 316). "Die Rassenfrage gibt nicht nur den Schlüssel zur Weltgeschichte, sondern auch zur menschlichen Kultur überhaupt" (S. 372). Hitler ist offenbar stark von H. St. Chamberlain beeinflußt worden, indirekt vielleicht auch von Gobineau, der zwar auch die Juden nicht liebte, ihnen aber doch mehr gerecht wurde. Auch von Th. Fritsch hat er anscheinend manche Ansichten übernommen. Ein Einfluß Günthers auf Hitlers Buch ist weniger deutlich; doch ist anzunehmen, daß er auch Günther gelesen hat.

Wie Gobineau und Chamberlain übertreibt Hitler die schädlichen Folgen der Rassenkreuzung. "Die Blutvermischung und das dadurch bedingte Senken des Rassenniveaus ist die alleinige Ursache des Absterbens alter Kulturen; denn die Menschen gehen nicht an verlorenen Kriegen zugrunde, sondern am Verlust jener Widerstandskraft, die nur dem reinen Blute zu eigen ist" (S. 324, ähnlich auch S. 442 und 443). An anderen Stellen zeigt er freilich auch Verständnis für die Hemmung der Auslese als Entartungsursache (z. B. S. 145) und für die wirklich entscheidende Ursache des Niedergangs, die Gegenauslese, z. B. auf S. 582 und 583, wo er von der Auslesewirkung des Krieges spricht. Die grundlegende Bedeutung der Auslese für die Gestaltung der Rassen und Arten wird auf S. 144/145 und S. 313 betont.

An sich ist es gewiß richtig, daß die Rassenhygiene sich die Erhaltung und Förderung jener Rassenelemente, die unsere Kultur geschaffen haben, angelegen sein lassen muß. "Somit ist der höchste Zweck des völkischen Staates die Sorge um die Erhaltung derjenigen rassischen Urelemente, die, als kulturspendend, die Schönheit und Würde eines höheren Menschentums schaffen" (S. 434). Es kommt aber sehr darauf an, wie "der Versuch, die innerhalb der Volksgemeinschaft als rassisch besonders wertvoll erkannten Elemente maßgeblichst zu fördern und für ihre besondere Vermehrung Sorge zu tragen" (S. 493), praktisch durchzuführen gesucht wird. Hitler denkt an Siedlungskolonien, "deren Bewohner ausschließlich Träger höchster Rassenreinheit und damit höchster Rassentüchtigkeit sind" (S. 449). "Eigens gebildete Rassekommissionen haben den einzelnen das Siedlungsattest auszustellen; diese aber ist gebunden an eine festzulegende bestimmte rassische Reinheit" (S. 448). Nun es ist aber in einer gemischten Bevölkerung wie der unsrigen nicht möglich, nach äußeren Merkmalen die Zugehörigkeit des wesentlichen Teils der Erbmasse festzustellen. Blondes Haar verbürgt nicht edle Rasse und dunkles schließt sie nicht aus. In bezug auf die soziale Auslese bemerkt Hitler treffend: "Diese Siebung nach Fähigkeit und Tüchtigkeit kann nicht mechanisch vorgenommen werden, sondern ist eine Arbeit, die der Kampf des täglichen Lebens ununterbrochen besorgt" (S. 493). Diese Bewährung im täglichen Leben ist meines Erachtens auch der beste Maßtab für die rassenhygienische Auslese. Natürlich darf auch nicht etwa das Parteibuch als Maßtab der Tüchtigkeit genommen werden. Ein Beispiel rassischen Niedergangs ist für Hitler das ihm auch sonst unsympathische Frankreich. Dieses macht nach Hitler "in seiner Vernegerung so rapide Fortschritte, daß man tatsächlich von einer Entstehung eines afrikanischen Staates auf europäischem Boden reden kann" (S. 730). Mag das auch übertrieben erscheinen, die Gefahr, welche direkt fur Frankreich und indirekt für ganz Europa droht, ist doch grundsätzlich richtig gesehen. Wenn er von dem "nicht nur in seiner Volkszahl, sondern besonders in seinen rassisch besten Elementen absterbenden Franzosentum " spricht (S. 766), so scheint er allerdings bei der Niederschrift dieses Satzes sich nicht bewußt gewesen zu sein, daß die gegenwärtige Kinderzahl des deutschen Volkes noch weniger zur Erhaltung ausreicht als die des französischen.

Hitler setzt sich energisch für die Sterilisierung Minderwertiger ein. "Die Forderung, daß defekten Menschen die Zeugung anderer ebenso defekter Nachkommen unmöglich gemacht wird, ist eine Forderung klarster Vernunft und bedeutet in ihrer planmäßigen Durchführung die humanste Tat der Menschheit. Sie wird Millionen von Unglücklichen unverdiente Leiden ersparen, in der Folge aber zu einer steigenden Gesundung überhaupt führen" (S. 279). Aus der Tatsache, daß er von Millionen von Unglücklichen spricht, folgt, daß er die Sterilisierung nicht nur für extreme Fälle fordert, was für die Gesundung der Rasse ziemlich bedeutungslos sein würde, sondern sie auf den gesamten minderwertigen Teil der Bevölkerung erstreckt wissen will.

Er weiß auch die Bedeutung früher Eheschliessung in ihrer ganzen Tragweite zu würdigen. "Freilich ist zu ihrer Ermöglichung eine ganze Reihe von sozialen Voraussetzungen nötig, ohne die an eine frühe Verehelichung gar nicht zu denken ist" (S. 276). Er sieht durchaus ein, daß eine Lösung dieser Frage nicht ohne einschneidende soziale Maßnahmen möglich ist. Man darf also hoffen, daß die nationalsozialistische Bewegung sich tatkräftig für einen Ausgleich der Familienlasten einsetzen wird.

Treffend sind auch die Bemerkungen über die Steigerung der Lebensansprüche, die eine Hauptursache übermäßiger Geburtenbeschränkung ist. "Die Anforderungen der Menschen in bezug auf Nahrung und Kleidung werden von Jahr zu Jahr größer und stehen schon jetzt zum Beispiel in keinem Verhältnis mehr zu den Bedürfnissen unserer Vorfahren etwa vor 100 Jahren" (S. 146). Da die Steigerung der Ansprüche zum guten Teil durch den Aufwand der Kinderlosen bedingt ist, würde ein wirksamer Ausgleich der Familienlasten, die übermäßige Steigerung der Ansprüche zurückzuschrauben geeignet sein. "Sicherlich wird zu einem bestimmten Zeitpunkt die gesamte Menschheit gezwungen sein, infolge der Unmöglichkeit, die Fruchtbarkeit des Bodens der weitersteigenden Volkszahl noch länger anzugleichen, die Vermehrung des menschlichen Geschlechts einzustellen" (S. 147). Einem Volk, das mit der Einstellung der Fortpflanzung vorangeht, wird aber das Dasein auf dieser Welt genommen (S. 145).

Eine wichtige Voraussetzung für die Erhaltung der rassenmäßigen Grundlagen unseres Volkstums ist eine in diesem Sinne gestaltete Erziehung. "Die gesamte Bildungs- und Erziehungsarbeit des völkischen Staates muß ihre Krönung darin finden, daß sie den Rassesinn und das Rassegefühl instinkt- und verstandesmäßig in Herz und Gehirn der ihr anvertrauten Jugend hineinbrennt" (S. 475). "Das Ziel der weiblichen Erziehung hat unverrückbar die kommende Mutter zu sein" (S. 460). Das jugendliche Gehirn soll im allgemeinen nicht mit Dingen belastet werden, die es zu 95 Prozent nicht braucht (S. 464). Der französische Sprachunterricht sollte von den höheren Schulen entfernt werden (S. 465). Im Geschichtsunterricht sollte eine wesentliche Kürzung des Stoffes vorgenommen werden (S. 467); in der Geschichte kommt der Rassenfrage die dominierende Stellung zu (S. 468). Wenn der überflüssige und daher schädliche Bildungswust von der Schule entfernt werden würde, so würde, wie ich hinzufügen möchte, es auch möglich sein, die gesamte Dauer der höheren Schule um zwei Jahre zu kürzen, was im Hinblick auf die Ermöglichung früherer Eheschließung dringend erwünscht wäre.

Eine ebenso wichtige Aufgabe des Bildungswesens, wie die Erziehung es ist, ist die soziale Auslese oder, wie Hitler sich ausdrückt, "die Menschenauslese an sich" (S. 477). Der völkische Staat hat "nicht die Aufgabe, einer bestehenden Gesellschaftsklasse den maßgebenden Einfluss zu wahren, sondern die Aufgabe, aus der Summe aller Volksgenossen die fähigsten Köpfe herauszuholen und zu Amt und Würden zu bringen" (S. 480). Der Rassenhygieniker muß aber darauf dringen, daß die fähigen Köpfe nicht wie bisher eben durch ihren Aufstieg dem Aussterben zugeführt werden. Hitler ist der Gedanke unerträglich, "daß alljährlich Hunderttausende vollständig talentlose Menschen einer höheren Ausbildung gewürdigt werden, während andere Hunderttausende von großer Begabung ohne jede höhere Ausbildung bleiben" (S. 479). Über die Häufigkeit hoher geistiger Begabung in den unteren Schichten scheint sich Hitler allerdings zu optimistische Vorstellungen zu machen. Hier wäre auf die Feststellungen Hartnackes hinzuweisen (Naturgrenzen geistiger Bildung, Leipzig 1930).

Im übrigen scheut Hitler sich nicht, auch unpopuläre Wahrheiten auszusprechen. So bemerkt er zur Alkoholfrage: "Wenn z. B. ein ganzer Kontinent der Alkoholvergiftung endlich den Kampf ansagt, um ein Volk aus den Klammern dieses verheerenden Lasters herauszulösen, dann hat unsere europäische bürgerliche Welt dafür nichts übrig als ein nichtssagendes Glotzen und Kopfschütteln, ein überlegenes Lächerlichfinden - das sich bei dieser lächerlichen Gesellschaft besonders gut ausnimmt" (S. 450). Auch sonst nennt er die Dinge oft beim rechten Namen: "Unser gesamtes öffentliches Leben gleicht heute einem Treibhaus sexueller Vorstellungen und Reize. Man betrachte doch den Speisezettel unserer Kinos, Varietés und Theater, und man kann wohl kaum leugnen, daß dies nicht die richtige Kost, vor allem für die Jugend, ist" (S. 278).

Auch die Außenpolitik muß das Ziel haben, "die Existenz der durch den Staat zusammengefaßten Rasse sicherzustellen" (S. 728). Wenn Deutschland im Jahre 1904 die Rolle Japans übernommen hätte, so wäre einem Weltkriege vorgebeugt gewesen. "Das Blut im Jahre 1904 hätte das zehnfache der Jahre 1914 bis 1918 erspart" (S. 155). Dazu war die Freundschaft Englands nötig. Es war daher auf Kolonien und Seegeltung zu verzichten; die gesamten Machtmittel des Staates waren auf das Landheer zu konzentrieren (S. 154, ähnlich auch S. 753). Der sogenannte "Risikogedanke" von Tirpitz wird als grundfalsch bezeichnet (S. 300). "Ich gestehe offen, daß ich schon in der Vorkriegszeit es für richtiger gehalten hätte, wenn sich Deutschland, unter Vorsicht auf die unsinnige Kolonialpolitik und unter Verzicht auf Handels- und Kriegsflotte, mit England im Bunde gegen Rußland gestellt hätte und damit von der schwachen Allerweltspolitik zu einer entschlossenen europäischen Politik kontinentalen Bodenerwerbe übergegangen wäre" (S. 753). Ich kann diesen Ausführungen nur zustimmen; und ich habe mich verschiedentlich im gleichen Sinne geäußert (z.b. B.-F.-L. Bd. II S. 396/397).

Hitler glaubt, daß eine solche Politik auch in Zukunft wieder möglich sein werde; und er möchte in diesem Sinne dem deutschen Volk ein "politisches Testament" geben, ein großes Ziel, an dem die Außenpolitik unbeschadet der etwa nötigen Entscheidungen des Tages zu orientieren sei. "Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft" (S. 742). Die Entwicklung der Weltwirtschaft in den Jahren, seit Hitler dies geschrieben hat, weist unser Volk in die gleiche Richtung. Wir werden einfach gezwungen sein, unsere Lebensgrundlage wieder vorwiegend auf dem Lande zu suchen. "Schon die Möglichkeit eines gesunden Bauernstandes als Fundament der gesamten Nation kann niemals hoch genug eingeschätzt werden. Viele unserer heutigen Leiden sind nur die Folge des ungesunden Verhältnisses zwischen Land- und Stadtvolk" (S. 157).

Aus einer solchen Politik würde sich auch ganz von selbst, von selbst eine Interessengemeinschaft der großen germanischen Völker ergeben, die nicht nur aus ideellen Gründen anzustreben ist, sondern die aus dem wohlverstandenen Lebensinteresse der einzelnen germanischen Völker folgt. "Man darf sich nicht durch Verschiedenheiten der einzelnen Völker die größere Rassegemeinschaft zerreißen lassen. Der Kampf, der heute tobt, geht um ganz große Ziele: eine Kultur kämpft um ihr Dasein, die Jahrtausende in sich verbindet und Griechen- und Germanentum gemeinsam umschließt" (S. 470).

Hitler wendet sich scharf gegen die Forderung der Wiederherstellung der deutschen Grenzen von 1914, die er als einen politischen Unsinn von Ausmaßen und Folgen bezeichnet, die ihn als Verbrechen erscheinen lassen. Auch abgesehen von dem Umstande, daß zu einer solchen Politik die Machtmittel fehlen, würde sie, selbst wenn sie erfolgreich wäre, zu einer weiteren Ausblutung unseres Volkskörpers führen, die nicht verantwortet werden könnte (S. 739). Insbesondere auf Südtirol muß ganz bewußt verzichtet werden, da wir die Freundschaft Italiens ebensowenig wie die Englands entbehren können. Im Hinblick auf die Möglichkeit künftiger Kriege sagt Hitler: "Eine Diplomatie hat dafür zu sorgen, daß ein Volk nicht heroisch zugrunde geht, sondern praktisch erhalten wird" (S. 693). "Wir schwärmen auch heute noch von einem Heroismus, der unserem Volke Millionen seiner edelsten Blutträger raubte, im Endergebnis jedoch vollkommen unfruchtbar blieb" (S. 735). Heute vollends seien die Machtmittel des Deutschen Reiches so jämmerlich, daß ein Kampf gegen Frankreich nur den Charakter eines Abschlachtens der deutschen Jugend haben würde; und das Endergebnis wäre die unabwendbare Niederlage und das Ende des Deutschen Reiches.

In einem künftigen Kriege wird die technische Rüstung mehr als die Zahl der Soldaten entscheidend sein (S. 748). Durch diesen Satz wird gewissermaßen ein früherer richtiggestellt, in dem Hitler von der Wiedergewinnung äußerer Macht sagt: "Die Voraussetzungen hierzu sind aber nicht, wie unsere bürgerlichen `Staatsmänner' immer herumschwätzen, Waffen, sondern Kräfte des Willens" (S. 365). In dieser Hinsicht haben die "bürgerlichen" Staatsmänner eben doch nicht so unrecht gehabt. Und sie hatten insbesondere recht gegenüber dem Hitler von 1923, der das vergessen hatte. Wenn Hitler damals größere Anfangserfolge gehabt hätte, so hätte Frankreich sich die Gelegenheit zum Abschießen des Restes der deutschen Jugend nicht entgehen lassen und sein auch von Hitler als solches gekennzeichnetes Ziel erreicht, die Zerschlagung des Deutschen Reiches. Man kann es gewiß verstehen, daß Hitlers nationale Begeisterung ihn damals zu einem Schritte hingerissen hat, den er schwerlich getan hätte, wenn er "die Vernunft als alleinige Führerin" hätte gelten lassen, wie er auf S. 753 als Grundsatz ausspricht. Vermutlich weiß er heute selber, daß es für den Bestand des Reiches besser war, daß die Erhebung damals gleich in den Anfängen unterdrückt wurde. Gewiß muß ein Krebskranker eine Operation wagen, auch wenn nur ein halbes Prozent Aussicht auf Erfolg besteht (S. 463); Hitler selbst aber wird zugeben, daß die Aussichten auf Rettung von Reich und Volk heute besser sind als im Jahre 1923 und daß begründete Hoffnung besteht, daß sie noch besser werden. Und er selber hat heute und in Zukunft bessere Aussichten, an dieser Rettung wesentlich mitzuwirken als damals.

Hitlers Fähigkeit der suggestiven Beeinflussung von Massen ist bewunderswert. Über die Mittel und Wege der Massenbeeinflussung spricht er mit erstaunlicher Offenheit. "Die Propaganda ist in Inhalt und Form auf die breite Masse anzusetzen, und ihre Richtigkeit ist ausschließlich zu messen an ihrem wirksamen Erfolg" (S. 376). "Solange die Einsicht der Masse so gering bleibt wie jetzt und der Staat so gleichgültig wie heute, wird diese Masse stets dem am ersten folgen, der in wirtschaftlichen Dingen zunächst die unverschämtesten Versprechungen bietet" (S. 354). Gift werede nur durch Gegengift überwunden. Man darf annehmen, daß Hitler genau weiß, daß ein Volk auch von Gegengift nicht leben kann. "Die Rede eines Staatsmanns zu seinem Volk habe ich nicht zu messen nach dem Eindruck, den sie bei einem Universitätsprofessor hinterläßt, sondern an der Wirkung, die sie auf das Volk ausübt" (S. 534). Diese Umstandes wird man stets eingedenk sein Müseen, wenn man gewisse Auslassungen Hitlers über wirtschaftliche Forderungen, über Möglichkeiten der Außenpolitik und auch über die Judenfrage liest, über die man manchmal den Kopf schüttelt ......

Arkhiv f. Rassen- und Ges.-Biol. Bd. 25, Heft 3.


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